Portofino, St. Tropez Italiens

August 20, 2018

 

Wir hatten uns vorgenommen so wenig wie möglich und nur soviel wie nötige Motorstunden auf unserem diesjährigen Sommertörn zu verwenden. Wir wollten einfach einmal sehen, wie sich Schiff und Mannschaft verhält, wenn sie zum  Nichtstun mitten im nirgendwo verdonnert ist. Von Loano steckten wir Kurs über den Golf von Genua Richtung Portofino. Nachdem unsere Tanks gefüllt waren kamen wir erst gegen 11:00 Uhr von der Tankstelle weg, da diese hoffnungslos überfüllt war.

Schwer beladen, immerhin 800l Diesel in den Tanks, kamen wir bei einem Wind von 10 Knoten, mit 4,5 bis 5 knoten, doch recht zügig voran. Gegen Abend änderte sich das aber, denn der Wind schlief komplett ein. Wir dümpelten also zwischen Savona und Genua mitten einer viel befahrenen Schifffahrtsroute. Das wurde besonders in der Nacht recht spannend, da sehr viele Fähren in der Nacht Richtung Süden auslaufen. Gaby hat ja bekanntlich, am Anfang eines Törns, immer mit der Seekrankheit zu kämpfen, kam mit der Situation aber sehr gut zurecht. Der neu ausprobierter Reisekaugummi schien das Schlimmste zu verhindern und über den ganzen Törn war die Seekrankheit mehr zur Nebensächlichkeit geworden. Da lagen wir nun, wie angenagelt. Es war heiss, immerhin 26°C um Mitternacht und kein Wind. Eine vorbeikommende Fähre drückte uns wieder ein bisschen nach Nordost, immerhin in die Richtung wo wir hin wollten. Am nächsten Morgen hatten wir sage und schreibe 1 Seemeile geschafft. Auch jetzt änderte sich am Wind nicht viel. Immerhin kamen wir mit 1,5 bis 2 Knoten ein wenig voran. Zumindest konnten wir ausgiebig frühstücken, nur war klar, dass wir unser Ziel bei diesem Tempo heute wieder nicht erreichen werden. Die Halbinsel und Nationalpark Portofino zum greifen nahe, brach die Nacht erneut herein ohne dass sich an den Windverhältnissen wesentliches änderte. Das Vorhaben, den Motor nur wenn notwendig einzusetzen, wurde auf eine grosse Probe gestellt. 

Bis zum nächsten Morgen waren wir auf gut 1 Seemeile an Portofino herangedriftet und  nun entschlossen wir uns den Motor anzuwerfen und uns einen sicheren Ankerplatz zu suchen. Um 9:15 Uhr warfen wir Anker auf 11 Meter und nachdem wir uns sicher waren, dass er hält, war erst einmal ein kühles Bad angesagt. Der Golf von Tigullien liegt südöstlich von Genua. Auf der Westseite befinden sich die Städte Rapallo, Santa Margherita Ligure und Portofino. Das Gebiet ist grösstenteils Meeresschutzgebiet und gehört zum Nationalpark Portofino. Wir machten den Tender klar um die Städte Santa Margherita und Portofino besuchen zu können. Am späten Nachmittag fuhren wir mit dem Beiboot nach Santa, wie die Stadt von den Einheimischen kurz genannt wird, hinüber. Santa Margherita, auch die Perle Liguriens genannt, hat rund 10000 Einwohner. Nach den eher ruhigen Tagen und Nächten auf See, kam es uns in Santa so vor als ob sämtliche Einwohner auf der Strasse sind um ihre Dinge zu erledigen. Wir machten das Dingi an einem Anleger fest und zogen uns unsere mitgebrachten Ausgehsachen an. Am Hafen entlang schlenderten wir in den Stadtkern. Im Hafenbereich fand ein Flomarkt statt, an dem sehr viel antike Dinge, wie Silberbesteck oder Kronleuchter, angeboten wurden. Gegen Abend füllten sich die Strassen und Plätze und es war kaum noch ein Durchkommen möglich. Wir fanden, etwas oberhalb des Hafens, eine kleine Kneipe in der wir uns niederliessen und einen Rotwein genossen.

Gegen 20:00 Uhr stürzten wir uns dann wieder in den Trubel und suchten uns ein Restaurant um zu Abend zu essen. Erstaunlicherweise fanden wir eins in dem wir schnell, freundlich und zuvorkommend bedient wurden. Das Essen war hervorragend und so schlenderten wir zufrieden zurück zu unserem Dingi um wieder auf unsere Katinka zu gelangen. Doch die Party war noch lange nicht vorbei. Eine nahe am Ankerplatz gelegene Diskothek beschalte uns bis in die frühen Morgenstunden und so schliefen wir, wie das meiste Partyvolk, am nächsten Morgen erst einmal aus. Nach dem Frühstück setzen wir mit unserem Beiboot nach Portofino über. Der kleine Naturhafen ist hoffnungslos überfüllt und so war es gar nicht so einfach eine Stelle zum anlegen zu finden. Doch wir quetschten uns zwischen zahlreiche andere Dingis und gingen an Land.

Portofino das Saint Tropez Italiens macht seinem Beinamen alle Ehre. Hier findet man zahlreiche Shops mit teuren Edelmarken. Eine Badehose die mir sehr gut gefiel, kostete dann auch mal gleich 215€, was ich dann dankend ablehnte. Stattdessen machten wir uns, durch die Gärten am Hang, auf zum nahegelegenen Leuchtturm. Vorbei an der romanischen Kirche San Giorgio und an der Festung Castello Brown, führt der Weg an den Gärten der zahlreichen Villen vorbei. Der dichte Bewuchs spendet Schatten und macht den Fussmarsch angenehm. Vom Leuchttrum hat man einen wunderbaren Blick auf den Golf und das umliegende Meer.

Portofino selbst, wird durch die zahlreichen Touristen, die durch die vielen Ausflugsboote herangekarrt werden überlaufen, dennoch ist dieses pittoreske Fischerdorf einen Besuch wert. Nachdem wir uns die Ortschaft ausgiebig angeschaut hatten, verproviantierten wir uns noch mit dem nötigsten und fuhren zurück zu unserer Katinka. Hier verbrachten wir den Rest des Tages mit Baden und Ausruhen um auf unsere nächste Etappe, die Cinque Terre, vorbereitet zu sein.

 

 

 

 

   

     

 

 

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