Überführungstörn von Portugal nach Italien

Ibiza

Gurrachu lag hinter uns. Wir hatten die gemütliche Marina gegen 12:00 Uhr verlassen. Zuvor wurde Diesel gebunkert sodass die Tanks wieder voll waren. Wind war mal wieder keiner vorhanden und die Wetterprognosen sagten auch nur, wenn überhaupt, aus Nord-Ost vorher. Ich setzte Kurs auf Cabo de Palos das wir spät in der Nacht erreichten.

Inzwischen hatte der Wind schon wieder bis auf 7 Bft. aufgefrischt und eine hacklige Welle vermieste uns das Abendessen. Das Verkehrstrennungsgebiet um das Kap kam immer näher und wir versuchten uns von diesem frei zuhalten, was auch kein grösseres Problem war, ausser dass in diesen Gebieten im Mittelmeer offensichtlich immer ein riesen Betrieb herrscht und man deshalb noch etwas besser als sonst aufpassen muss, ereignete sich nichts aussergewöhnliches. Durch die kurze Welle konnte sowieso keiner von uns beiden schlafen und so beobachteten wir die Schiffe um uns herum bis in die frühen Morgenstunden. Der nächste Tag brach an und das Wetter beruhigte sich langsam wieder. Inzwischen waren wir weit draussen, Kurs Ibiza. Der Wind drehte weiter auf Ost und wir setzten wieder mal zur Abwechslung Segel. Leider erwies sich die immer wieder diskutierte Aussage, dass ein Kat nicht sehr hoch an den Wind kann, als bestätigt. Zu allem Überfluss ereignete sich auch noch ein Unfall an Bord, als Gaby einen Moment nicht aufpasste und vom Baum ins Eck geschleudert wurde. Das hätte auch anders ausgehen können. Bei einem Mono wäre das Cockpit bzw. das Deck ausgegangen und Gaby wäre mit Sicherheit über Bord gegangen. Hier auf unserer Katinka ist das Cockpit recht gross. Dennoch war es eine schmerzhafte Angelegenheit die dann auch die restliche Reise beeinflusste, aber wir waren froh dass ausser Prellungen nicht mehr passiert war. Nach dem ersten Schock und der Erstversorgung fing das Hirn so langsam wieder an zu denken und dazu hat es mitten auf dem Wasser unheimlich viel Zeit. Viele Dinge schiessen einem durch den Kopf, von, was hätte alles passieren können, bis wie geht es nun weiter und das in allen Ausprägungen, da man wie schon gesagt, unheimlich viel Zeit hat. Das ist übrigens eine Erfahrung die es im Alltag eines Abteilungsleiter so nicht gibt und die man erst wieder neu erlernen muss.

Ich sass auf meinem Stuhl, da plötzlich kam die Zeit vorbei, ich packte sie und versuchte sie festzuhalten, tiefe Wunden schnitten sich ins Fleisch und sie riss sich wieder los. Seitdem versuche ich nie wieder die Zeit festzuhalten sondern nutze sie um zu leben.